Als ich als Kind gerade einmal einen Stift halten konnte und ich die ersten verworrenen Linien aufs Papier brachte ermahnte mich mein Herr Papa doch, tunlichst keine Hakenkreuze zu malen, da man das ja durchaus falsch verstehen könnte. Ich folgte dieser Aufforderung in meinem damals bereits vorhandenen Pragmatizismus und war fortan auch darauf geprägt, Hakenkreuze als negativ zu sehen.
Irgendwann vermutlich mit 15 so rum setzte ich mich dann damit auseinander, wie ähnlich die Symbole der verschiedenen Kulturen sein können. Und ab da Begann ich dann auch den Grundstein für das Verstehen eines Dilemmas zu legen, das sich mir ein paar Jahre später offenbaren sollte.
Wenn man mit nicht ganz so geschlossenen Augen durch die Welt geht merkt man früh, dass solche Dinge wie Runen und Sonnenräder an einem Punkt der Geschichte den Besitzer gewechselt haben. Waren Runen bis dahin noch Schriftzeichen, mit denen man wunderbar Gräber, Kessel und Klamotten versehen konnte, gingen sie irgendwann in den Gebrauch derer über, die fortan für diese bestimmte, grauenhaft vorbelastende Konnotation verantwortlich sein sollten.
Gleiches mit der Swastika.
Geht man also als Deutscher mal unvorbereitet durch eine buddhistischere Gegend als den hiesigen Asia-Laden, fühlt man sich sogar manchmal richtig peinlich berührt, weil negativ vorgeprägt. Da haben Buddhas ganz unverhohlen Hakenkreuze auf der Brust, farbenfroh prangen Swastiken von den Gebäuden und niemand würde nur im entferntesten auf die Idee kommen, das ganze für etwas unanständiges zu halten, etwas, das bei uns seit Ewigkeiten bereits verboten ist. Und das auch aus einem, meiner Meinung nach, guten Grund.
Jetzt gibt es ja diverse Kommissionen und Gruppen, die sich dafür einsetzen, die negativ besetzten Symbole wieder reinzuwaschen. Ob und wie sinnvoll das ganze ist, kann ich an dieser Stelle nicht entscheiden weil sich für mich kaum etwas an der Symbolik ändern wird, nur weil sich die Rechtslage diesbezüglich vielleicht ändert. Aber vielleicht wär ja, wie immer, ein bisschen Aufklärung hilfreich, damit der kleine Prozentsatz der Bevölkerung, der auf Aufklärung steht, zu seinem Recht kommt.
Aufklärung scheint dringend nötig zu sein. Nehmen wir mal ein Beispiel aus etwas jüngerer Vergangenheit, um den Irrsinn um dieses Symbol zu verdeutlichen:
Da hatten sich Leute gefunden, die eindeutig NS-gefärbte Swastiken in einem roten und durchgestrichenen Verbotskreis als Anstecknadeln oder auf T-Shirts mit sich herumtrugen, um ihrer Meinung, “gegen Rechts” zu sein, Ausdruck zu verleihen. Wie toll, könnte man denken. Gegen Rechts und gegen Faschismus und gegen Feindlichkeit generell eine Aussage zu treffen, man möchte schon fast sagen das sei löblich. Jetzt kam es allerdings dazu, dass das “Gegen Rechts”-sein nun ebenfalls verboten wurde, schließlich stellten diese durchgestrichenen Hakenkreuze immerhin noch Hakenkreuze dar. Abgesehen davon kann man dafür ja auch super Bußgelder einsammeln. Aber das nur nebenbei. Jedenfalls war das gegen Rechts sein dann auch verboten und eine Reglementierungsschwachsinnsspirale begann, sich unaufhörlich zu drehen. Auch Triskelen wurden konfisziert mit der Aussage “Mir doch egal, wieviele Arme dein Hakenkreuz hat.”. Wer dann noch “Dreifaltigkeit?” gestammelt hat war dann letztlich nicht nur rechts sondern auch noch ein verrückter Eso-Spinner.
Was will uns das sagen? Außer dass es gut ist, Bußgelder einzusammeln?
Die negative Prägung dieses Symbols wird nicht einfach weggehen. Wir werden auch nicht zu glücklich lächelnden Buddhas erhoben, nur weil wir das Symbol nun auf jede Wand malen und erklären, dass das ja ein Sonnenrad ist. Nein, das ganze sagt und eines: Symbole werden trickreich missbraucht. Überall. Sei es nun als geheimes Erkennungszeichen Gehirnamputierter die sich daran erfreuen, gegen generell alles zu sein was nicht bei drei auf dem Baum ist oder eben um dadurch Haushaltslöcher zu stopfen oder eigene Ideologien bzw. Machtspielchen durchzusetzen.
Asien hatte einfach nur genug Glück, weit genug von schwarz-rot-weißen Flaggen weg zu sein.
Wenn in Deutschland bzw im Rest der Welt der einzige Berührungspunkt mit diesem Symbol nuneinmal der Nationalsozialismus ist, und diese Zeit war ja unleugbar sehr einprägsam, dann werden wir uns niemals wohlig-erleuchtet fühlen im Schatten einer großen marmornen Swastika. Brauchen wir auch nicht. Wir müssen eigentlich nur aufpassen, dass nicht noch mehr Symbole diesem Irrsinn anheim fallen. Pentagramme sind ja schließlich auch nicht ausschließlich für böse Satanisten. Auch wenn ich bisher brav mit ebendiesen geteilt habe.
Eine interessante Statistik dürfte sein, wie oft man für “rechts” gehalten wird nur weil man einen Thorshammer trägt. (Gepaart mit einer Affinität für derbe Schuhe ist das zugegebenermaßen recht verführerisch…)
Gruppierungen werden immer Symbole benutzen, um Zusammengehörigkeit zu zeigen. Am Besten sind dann natürlich Symbole, die man als Ottonormalbürger nicht sofort erkennt, als Eingeweihter allerdings schon. Und den Streit darum, wessen Symbol das dann ursprünglich war, wird es auch immer geben. Aufklärung hin oder her. Vielleicht wäre es sinnvoll, die Energie nicht in die Reinwaschung von Symbolen zu stecken sondern eher in die Verhinderung, dass solche Gruppen überhaupt erst nötig werden für manche Menschen.