Pagan?!

Pagan bedeutet ganz grob erklärt erstmal heidnisch, und heidnisch ist in diesem Sinn all das, was nicht direkt monotheistisch-christlich ist.

Bevor sich jetzt Wortklauber und Ambestenwisser über meine spärliche Erklärung des Wortes auslassen: Das ist die kurze knappe Definition, die mir als erstes dazu in den Sinn kommt.

Auf vielen Webseiten, besonders die, die sich an jüngeres Publikum wenden, kann man die Frage lesen, wie man denn Heide, Hexe oder Magier wird, was man denn tun muss und was man lassen sollte, und ob man unbedingt die Robe aus dem Xyz – Shop für 75 Euro inkl. geweihtem Pentagrammaufnäher bestellen muss.

Meine Anleitung dazu, wie man am besten Heide oder Hexe wird lautet ganz einfach “Machen!”. Haha, leichter gesagt als getan, was macht man denn als Heide? Was macht einen Heiden aus?
Gute Frage. Es gibt kein Patentrezept, wie man “es” richtig machen kann. Nur ein paar gute Tipps, damit man nicht auf Scharlatane reinfällt oder nicht in rechte Gefilde abdriftet. Wann immer man sich bei jemandem komisch fühlt, der einem grade versucht, etwas zu erzählen, darf man Vorsicht walten lassen. Intuition ist eine wichtige Sache.
Wenn einem jemand erzählt, es gäbe eine gewisse Art von Menschen, die aufgrund ihrer Gene eigentlich viel besser ist als alle anderen, dann ist das panne. Was man immer im Hinterkopf behalten sollte, ist der gute alte Spruch meiner Oma, die deftigerweise zu sagen pflegt “Der sche*ßt auch nur aus dem selben Loch wie wir.” und Recht hat sie. Niemand ist wertvoller, nur weil er eine schön bestickte Robe trägt.

Es gibt eine Menge Richtungen, die man auf seinem heidnischen Erkundungsweg einschlagen kann. Die einen interessieren sich für Kelten, Germanen oder amerikanische Ureinwohner, die nächsten für Voodoo oder Schamanismus oder Thelema oder was es nicht alles gibt. Am Besten ist einfach, sich sein eigenes Lieblingsgebiet rauszusuchen, eines, zu dem man leicht Zugang findet. Lesen, lesen und lesen!

Ich persönlich orientiere mich an keiner festen Richtung. Ich interessiere mich einfach für alles und adaptiere das, was mir einfach am meisten zusagt. Ganz ohne ewig lange Ahnenreihe und Altertumsanspruch. Viele der Gruppen, die von sich behaupten es gäbe sie bereits seit dem frühesten Mittelalter lassen sich vielleicht 5-6 Jahre effektiv zurückverfolgen.

Das klingt natürlich ein bisschen so, als wäre das Heidentum (bzw die Sammlung der verschiedenen Heidentümer die’s so gibt) ein heißes Pflaster voller Betrüger und Wirrköpfe. Ein bisschen stimmt das auch. Allerdings hat man in anderen Gebieten genauso die Katzenfellrheumadeckenverkäufer, Internetgewinnspielbetrüger, Kaffeefahrtenabzocker und Enkel-an-der-Tür-Schwindler, die einem irgendwie alle ans Geld wollen. Das liegt einfach daran, dass Menschen gerne möglichst einfach an Geld kommen möchten, ohne dafür groß ihre Finger zu rühren. Also, keine Sorge, vom Lesen in Internetforen und Büchern wird niemand arm.

Als Heidin ist es mir z.B. wichtig, Dinge mit den Händen zu erfahren, zu machen. Das heißt also dass der Brotteig mit den Händen und nicht im Automaten geknetet wird, dass generell eine Menge ausprobiert wird, sowohl in der Küche als auch beim Basteln und Handwerken und dass ich vor allem gern Musik mache, entweder mit der Stimme oder der Blockflöte oder der Gitarre. Das sind alles prima Möglichkeiten, die eigenen Grenzen ein bisschen auszuloten, um zu schauen was man kann. Und wenn man das mit der Musik nicht hinkriegt? Schwamm drüber, es gibt noch tausend andere Möglichkeiten wie z.B. Schreiben, Malen, Schnitzen, Nähen, die alle darauf warten, ausprobiert zu werden.

Auch wenn Selbsterfahrung jetzt noch nicht sooo viel religiösen Flair mitbringt – es macht auf jeden Fall selbstbewusster zu wissen, was man kann. Abgesehen davon ist ein Aquarell einer entsprechenden Gottheit doch eine super Dekoration für die Wohnung ;)

Aber was ist mit Kartenlegen, Pendeln, Ouijaboards und Kaffeesatz? Was ist mit Poltergeistern und Zauberstäben?

Ruhig Blut! Bevor man sich an das Kartenlegen z.B. ranwagt, sollte man sich fragen, was man denn damit erreichen will. Nur mal eben so in die Zukunft kucken und die Lottozahlen von Morgen rausfinden – nein, dafür ist das ganze nicht gedacht. Ich nehme Tarotkarten mehr zum assoziieren und um über ein bestimmtes Problem zu meditieren. Genauso verhält sich das mit dem heraufbeschwören von irgendwelchen Geistern. Wir haben alle ungefähr eine Ahnung wie das ist, wenn man dasitzt und den Geist von Tante Edelgard aus dem Jahre 1894 ruft. Aber weiß jemand, wie man die gute Tante nach der Fragestunde wieder zum gehen auffordern kann? Oder was, wenn die Tante garnicht mehr gehen möchte? Ob man nun an die Existenz von Geistwesen glaubt oder nicht sei dahingestellt, wichtig ist das, was in der eigenen Psyche abläuft und wenn diese nunmal davon überzeugt ist, dass da ein Geist sein unwesen treibt hat man nunmal ein Problem.

Als tatsächlich ernsthaft praktizierender Heide egal-welcher Ausrichtung hat man eine gewisse Verantwortung, so wie jeder Mensch auf dieser Welt. Und wenn man sich als Heide z.B. noch mit Themen wie Heilpflanzen und deren Wirkung auseinandersetzt, dann wächst diese Verantwortung natürlich, man wird unter Umständen um Rat gefragt, welchen Tee man gegen welches Weh einsetzt.

Und wann lern ich zaubern?

Evada Kedavra! Nein, so funktioniert die ganze Sache schonmal nicht. Die wenigsten stellen sich mit ihrem kristallbespitzten Zauberstab hin und brüllen den Straßenräuber auf Phantasielatein an. Um ein klein bisschen Alltagsmagie zu erfahren würde ich erstmal vorschlagen, mit sowas langweiligem wie Meditation zu beginnen. Übungen, mit denen man sich wie aufgeladen fühlt, oder Übungen, mit denen man überschüssige Energie wie z.B. Wut einfach mal ableiten kann. Wenn man mit den eigenen Energien haushalten kann hat man schon einiges gewonnen.

Und das alles macht ein Heide?

Naja, das alles mach zumindest ich. Ganz grob umfasst. Man kann das nicht pauschalisieren, jeder hat seinen eigenen Weg zum und durchs Heidentum.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.