Vegetarier zu sein birgt offenbar ein paar Risiken, die einem vielleicht nicht sofort in den Sinn kommen, wenn man mal mit dem Gedanken gespielt hat, das Fleischessen an den Nagel zu hängen.
Wenn man nicht aufpasst, handelt man sich natürlich ein paar Mangelerscheinungen ein. Wichtig ist, sicher zu gehen, dass man pflanzliches Eisen verarbeiten kann, ansonsten klappt man recht schnell zusammen. Das ganze lässt man am besten durch einen Arzt abgleichen und wenn der sein uneingeschränktes Ok gibt, steht dem Vegetarismus auch nichts mehr im Wege.
Das andere Risiko, bzw. Problem, ist das Umfeld. Es gibt Leute, die es vielleicht befremdlich finden werden, wenn man kein Fleisch mehr isst. Sie werden fragen, ob man denn Fisch isst, und meine Antwort darauf war bislang immer “Fische sind also keine Tiere?!”. Man muss sowohl bei Farbstoffen als auch bei Verdickungsmitteln (Gelatine) aufpassen, und das ganze kann tatsächlich als “Anstellerei” aufgefasst werden. Oftmals bekommt man auf den Satz “Ich bin Vegetarier!” ein betroffenes “Oh…” zu hören, als hätte man soeben gesagt man hätte einen Hirntumor im Endstadium. Andere versuchen einen aus der Reserve zu locken mit “Da, ein leckeres METTBRÖTCHEN/SCHNITZEL/HAMBURGER!” und manche gehen sogar so weit, den Sinn dieser Entscheidung so lange und so penetrangt in Frage zu stellen, bis man garkeine Lust mehr hat, überhaupt irgendetwas zu essen. Es werden Horrorgeschichten von Blut in Schokolade erzählt (was auf jeden Fall so ist weil mein Onkel hat von seinem Bruder gehört, dass dessen Schwager mal einen Cousin dritten Grades hatte der im Internet mal jemanden gelesen hat der gesagt hat das ist so und wenn DER das sagt stimmt das!), und davon, dass man sich tierischen Produkten eigentlich garnicht entziehen könnte.
Sollte das der Fall sein ist spätestens bei der Nerverei der Ofen aus, sodass man einen Strich ziehen sollte. Menschen fordern einen gerne heraus, besonders wenn man selbst einen Weg geht, den sie nicht nachvollziehen können (“Ich könnte NIEMALS auf Fleisch verzichten!” oder “Ich kann garnicht verstehen, warum du das machst!”)
Wichtig dabei ist allerdings nur, dass man auf sich selbst hört. Am einfachsten ist es tatsächlich, als Vegetarier anzufangen und wenn keine Bedenken bestehen, vielleicht zum veganen Leben zu wechseln. Man darf nie aus den Augen verlieren, warum man so eine Entscheidung trifft: nicht für die anderen Vegetarier weil die das gern hätten, nicht aus Trotz, sondern einfach weil man sich danach fühlt und man so “besser” lebt, für sich selbst besser.
Die Gründe, warum ich letztlich Vegetarierin geworden bin, sind recht schnell erklärt:
Zum einen hat mich in meiner Zeit in Düsseldorf im Krankenhaus eine betagte Dame sehr inspiriert, meine Denkweise über mich und meine Rechte und Pflichten auf der Welt neu zu sortieren.
Zum anderen habe ich diverse Beispiele in den Medien gesehen, die in mir zumindest den Anstand wachgerüttelt haben, nicht mehr durch das Leid und den Tod unzähliger Babys zu profitieren.
Zum Dritten glaube ich an Reinkarnation und möchte nur ungern meine Verwandten essen.
Das sind zwar nur grobe Beschreibungen, aber sie treffen eigentlich meine Hauptgründe.
Ich diskutiere übrigens nicht mehr über den Sinn und Unsinn meiner Lebensweise.